Wir haben zehn Personen gefragt, warum sie initiativ wurden

Wir haben zehn Personen gefragt, warum sie initiativ wurden

Caroline Günther, Geschäftsführerin des „Jos Fritz Café“
„Mit dem Jos als queer-feministischem und damit Vielfalt fördernden Ort möchte ich erstens lgbtiq* und bipoc* einen Raum des Austausches und des entspannt Rumhängens bieten oder einfach die Möglichkeit geben, aufs Klo zu gehen, ohne sich vorher auf eines der beiden gültigen Geschlechter festlegen zu müssen. Zweitens subkulturellen und mainstreamkritischen Projekten eine Bühne geben. Und drittens faire Arbeitsbedingungen und einen guten Arbeitsplatz schaffen. Queer-feministisches Arbeiten und Leben bedeutet für mich, Machtstrukturen in Frage zu stellen, Hierarchien zu ebnen und Interaktionen auf der Grundlage von Wertschätzung zu führen. Das ist harte Arbeit, die mir oft nicht gelingt und mich regelmäßig an meine Grenzen treibt.“

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Vanessa Carboni, Stadträtin in Freiburg
„Klimakrise stoppen, Bildung für alle, Demokratie stärken und Gleichberechtigung fördern – die Themen waren viele. Tatsächlich Farbe bekannt habe ich 2015, in der Zeit, in der Geflüchtete in Europa Schutz suchten und leider antidemokratische und menschenverachtende Kräfte sichtbar wurden. Da stand für mich fest: Ich muss den Grünen beitreten! Sie stehen für eine moderne, tolerante, vielfältige und verantwortungsvolle Gesellschaft, die auch die Konfrontation nicht scheut und klar zu ihren weltoffenen Werten steht. Sich nun als Stadträtin für die GRÜNEN in Freiburg zu engagieren bedeutet für mich für eine nachhaltige Zukunft zu kämpfen für die Menschen, Tiere und die Umwelt. Ich bin sehr dankbar, meinen Beitrag für eine klimagerechte und soziale Zukunft in Freiburg aktiv einbringen zu können!“

Christian Hiß ist Social Entrepreneur, Pionier und Gründer der Regionalwert AG Freiburg
“In meiner Arbeit als Landwirt habe ich immer mehr erfahren müssen, dass die Buchhaltung unvollständig ist. Meine Leistungen wie Aufbau von Bodenfruchtbarkeit, Ausbildung von jungen Menschen und Stärkung der Biodiversität waren auf dem Papier nichts wert! Doch bei der Regionalwert AG Freiburg sind wir uns sicher: Solche Aktivitäten machen einen nachhaltigen Betrieb aus. Daher haben wir uns auf den Weg gemacht und wollen die Buchhaltung revolutionieren: Sie soll „Richtig Rechnen“ und solchen Leistungen einen Wert beimessen. Nur so haben Landwirt*innen den Anreiz, überhaupt nachhaltig zu wirtschaften! So können wir auch gesellschaftliche Probleme wie den Klimawandel oder das Artensterben lösen.“

Sévérine Kpoti, freie Fotografin und Co-Initiatorin des queer-feministischen Kultursalons „Salon Riot“
„Noch immer ist das Nachtleben durch den heteronormativen Mainstream geprägt, sowie die Musikbranche allgemein männlich/weiß dominiert. Die Notwendigkeit der Freiburger Eventserie „Salon Rot“ bestand in der Sichtbarmachung der existierenden weiblichen* und queeren Kultur. Zu Beginn haben wir uns die Frage gestellt, ob diese explizite Hervorhebung nicht das Gegenteil bewirkt – wir kämpfen ja für Gleichberechtigung und nicht um einen Sonderstatus. Der Erfolg und die zahlreichen Zusprüche haben mich jedoch darin bestärkt, genau so weiterzumachen. Wichtig ist uns auch der Ausbau eines Netzwerks und der Grundsatz, Künstler:innen fair und gleichberechtigt zu bezahlen.“

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Maria Schorn, engagiert sich in der „Kleiderei Freiburg“ für Slow Fashion und nachhaltigen Konsum
„Mir wurde bewusst, dass unser Kleiderkonsum und die damit verbundene Ausbeutung von Mensch und Natur absurd ist. Daraus hat sich bei mir der Wunsch entwickelt, einen Teil dazu beitragen zu können, dass Menschen ihr Konsumverhalten hinterfragen und im besten Fall sogar ändern. Ich bin bestimmt nicht perfekt – bis heute lege ich manchmal online Kleidung in meinen virtuellen Einkaufskorb, zum Zweck der Befriedigung dieses Verlangens. Der Unterschied zu vor 10 Jahren ist, dass ich nur noch in einem von 10 Fällen tatsächlich auf Kaufen drücke und dann handelt es sich in fast 100% der Fälle um ein nachhaltiges Label oder Second Hand Kleidung.“

Sophie Friedel, Gründerin von Rollbrettworkshop, Therapeutin bei „Drop in ride out“ und Vorsitzende des Fördervereins „Halfpipe Landwasser“
„Mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und es so zu gestalten, wie es mir gefällt sehe ich als eine der sinnvollsten Tätigkeiten. Vielleicht habe ich zu viel Pippi Langstrumpf gelesen, aber wer – wenn nicht wir – gestaltet unsere Welt? Ich setzte mich für die Rettung der Halfpipe ein, weil es mir wichtig erscheint, diesen Ort zu erhalten, an dem Menschen an der frischen Luft gemeinsam Spaß an der Bewegung haben. Gerade im Blick auf die Gentrifizierung Freiburgs finde ich es für ein gelungenes Stadtleben relevant, die Halfpipe auch in Zukunft kostenlos für alle zur Verfügung zu stellen. Das klappt nur gemeinsam. Deswegen macht mit und rettet die Halfpipe!”

Edda Grieshaber, Gründerin des Vereins „Treue Begleiter“
„Geldnot ist ein häufiger Grund, warum Hunde und Katzen im Tierheim abgegeben werden. Mein Ziel ist es, dass zusammenbleiben kann, was zusammengehört. Ein Tier ist bester Freund, Familienmitglied und bietet emotionalen Halt. Es spendet Trost und schützt vor Vereinsamung, insbesondere im Alter und in schweren Zeiten. In vielen anderen Städten gibt es bereits Tiertafeln. Diese Idee wollte ich auch in Freiburg umsetzen, mit dem zusätzlichen Angebot einer Alltagshilfe. Wir unterstützen einkommensschwache Tierhalterinnen mit Futterspenden und helfen Seniorinnen und kranken Menschen bei der Versorgung ihrer Tiere, damit niemand seinen treuen Begleiter abgeben muss, weil das Geld oder die Kraft nicht mehr reichen.“

Muhammad Sher Khan, Tariel Leiss, Jesko Treiber, Gründer von „Econoiz“
„Durch Klimaaktivismus haben wir uns kritisch mit unserem Konsum auseinandergesetzt. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Mode einer der größten Umweltsünder ist. Fast Fashion, aber auch Streeetwear Brands die bei jungen Menschen immer beliebter werden und uns vom Style her auch angesprochen haben, achten bei der Produktion noch sehr wenig auf Nachhaltigkeit. Nachhaltige Brands sprechen dagegen immer noch vor allem ältere Menschen oder „Ökos“ an. Wir haben uns gefragt, warum es immer noch keine Marke gibt mit der man sich nicht sofort als Öko outen muss sondern durch stylishe Designs überzeugt und bei der Produktion auf unseren Planeten achtet. Deswegen haben wir Econoiz gestartet.“

Eva Schill, zertifizierte vegane Ernährungsberaterin und studierende Gesundheitspädagogin
„Am liebsten würde ich mich natürlich in ganz vielen Projekten ausgiebig einbringen. Ich versuche neben dem Tierrechts-Aktivismus auch in anderen Bereichen aktiv zu sein. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind mir sehr wichtig, weshalb ich mich auch hier in verschiedenen Initiativen einbringe. Das Thema planetare Gesundheit umfasst so ziemlich genau das, was ich durch Projekte verfolgen möchte: Nachhaltigkeit, Tierschutz und Tierrecht sowie unsere Gesundheit. Projekte im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung halte ich für sehr sinnvoll und lohnenswert, sich diesen zu widmen.“

Laura Polimeni, Gründerin von „Blauer Montag am Mittwoch“
„Ich kann nicht malen» oder «Ich weiß nicht, was ich malen soll» sind immer wiederkehrende Aussagen, die meiner Meinung aus unserer Leistungsgesellschaft entspringen. Dadurch wird Kunst als etwas Elitäres angesehen. Mit der Veranstaltung will ich diesem verschobenen Kunstverständnis entgegenwirken: einen Raum schaffen, in dem es nicht um Bewertung oder Meinung anderer geht. Sondern Kunst als Selbsterfahrung und Begegnung zu nutzen, es für jeden zugänglich zu machen, der/die Lust hat, mal wieder einen Pinsel in die Hand zu nehmen.“

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Krankentagegeld für Sozialunternehmer*innen

Krankentagegeld für Sozialunternehmer*innen

Als SozialunternehmerIn treibst Du gesellschaftlichen Wandel voran. Damit bist Du Teil einer begeisternden Community. Die soziale Transformation lebt geradezu von der gegenseitigen Unterstützung. Darum stellt elinor.network jetzt eine Solidar-Plattform zur Verfügung. Sie startet mit einem Krankentagegeld, denn für Selbständige wird es im Krankheitsfall schnell besonders eng.

elinor setzt dabei ganz auf peer-to-peer Gruppen. Auf der Plattform schließen sich Menschen zusammen und organisieren ihre eigene Absicherung. Als elinor-Mitglied bestimmst Du Deine eigenen Regeln, ohne Kleingedrucktes. Die Plattform verwaltet Deine eingezahlten Beiträge transparent und nachhaltig. Die Kosten eines anonymen Versicherungskonzerns kannst Du Dir damit sparen.

Durch elinor wird der Zusammenhalt von Sozialunternehmer*innen intensiviert und die Social Impact Landschaft nachhaltig gestärkt.

Wie funktioniert die Absicherung?
Du zahlst einen monatlichen Beitrag, abhängig davon wie hoch dein Krankentagegeld sein soll und ab wann du es erhalten möchtest, in einen gemeinsamen Gruppenfonds. Bei anhaltender Krankheit meldest du deinen Fall auf der elinor-Plattform. Innerhalb von wenigen Tagen entscheidet deine Gruppe über deinen Fall, und du erhält dein Krankentagegeld aus dem Gruppenfond. Dein individuelles Risiko, im Krankheitsfall kein Einkommen zu haben, wird jetzt durch deine peer-to-peer Gruppe getragen.

Wie kann ich meine Krankentagegeld-Absicherung starten?
Durch eine Anfrage an eine Gruppe auf elinor kannst Du Mitglied eines bestehenden Zusammenschlusses von Unternehmer*innen werden oder du gründest eine neue, eigene Gruppe bei elinor. Wenn Du Fragen hast oder Hilfe beim Start bei elinor brauchst melde dich gerne bei uns unter: info@elinor.network oder telefonisch unter: +49 (0)761 / 38444422

Risiko teilen

Risiko teilen

Was haben babylonische Karawanenteilnehmer, Mitfahlgelegenheit und Filesharing gemeinsam?

Die Transformationen in der Wirtschaft in den letzten Jahren haben einen Begriff hervorgebracht, der nun in aller Munde ist: die Sharing Economy. Die Kultur des Ego-Konsums macht dem Teilen Platz, und wir erleben weltweit das Entstehen zahlreicher Initiativen, die auf dieser neuen Idee aufbauen. Geteilt wird bereits in vielen Lebensbereichen, von Ernährung bis hin zu Mobilität. Die Onlineplattformen dienen dabei als Hilfsmittel bei der Bildung einer Sharing-Gemeinschaft, Bereitstellung und Suche der Angebote, der Abwicklung von Transaktionen usw. Man spricht von der Plattformökonomie, welche derzeit die traditionellen Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse rasant verändert.

In dieser neuen Sharing Economy spielt das Peer-to-Peer-Konzept eine wesentliche Rolle. Der Begriff „Peer-to-Peer“ stammt aus der IT-Branche. Den revolutionären Ansatz hat zum ersten Mal vor ca. 20 Jahren die US-amerikanische Musiktauschbörse Napster benutzt, um die Musikdateien über das Internet leichter zu verteilen. In einem Peer-to-Peer-Netz sind die Computer gleichberechtigt und direkt miteinander verbunden, ohne dass ein zentraler Server benutzt werden muss.

Seit dieser Zeit hat sich der Begriff „Peer-to-Peer“ auf viele Bereiche ausgedehnt und steht nun auch für eine direkte Mensch-zu-Mensch-Verbindung in der sich entwickelnden Plattformökonomie. Die Peers, also Privatpersonen, stellen sich gegenseitig Schlafplätze zu Verfügung, teilen Autos und andere Gebrauchsgegenstände, finanzieren gemeinsam Projekte, verschenken Lebensmittel und vieles mehr.

Dabei verwischt das Peer-to-Peer Konzept viele Grenzen: zwischen professionellem Angebot und amateurhaftem Gelegenheitsauftrag, zwischen Unternehmer und Arbeiter, zwischen Produzenten und Konsumenten. Der passive Kunde aus den traditionellen Geschäftsmodellen wird zum aktiven „Prosumenten“ und spielt nun eine tätige Rolle bei der Wertentstehung. Aber auch die soziale Komponente darf nicht vergessen werden: statt anonymer Großanbieter hat man bei den Peer-to-Peer-Plattformen unmittelbar mit anderen Menschen zu tun, und der soziale Austausch und die Freude an direkter Hilfe sind dabei sicherlich ein wichtiger Erfolg.

Das disruptive Peer-to-Peer -Prinzip hat auch eine Branche erreicht, die bisher oft als sehr zentralisiert, träge und undurchsichtig wahrgenommen wurde: Versicherungen. Das Konzept ist denkbar einfach: Die Menschen schließen sich auf Onlineplattformen in Gruppen von 5 bis 50 Personen zusammen, um sich gegenseitig gegen Risiken abzusichern. Nach dem ersten Start-up im Jahr 2011 haben mittlerweile über 25 Unternehmen in mehr als zehn Ländern solche Plattformen aufgebaut oder angekündigt.

Doch ist der Ansatz der Risikoteilung in einer Gemeinschaft tatsächlich so neu? Aus der Antike sind verschiedene Formen von Risiko- und Vorsorgegemeinschaften bekannt. Bereits im 2. Jahrtausend vor Christus verpflichteten sich babylonische Karawanenteilnehmer gegenseitig, die Teilnehmer der Reisegesellschaften im Schadenfall gemeinsam zu unterstützen. In Ägypten und im Römischen Reich gab es Sterbegeldkassen und bei den alten Juden Brautausstattungsvereine. In Deutschland sind die ersten Versicherungsvereine im Mittelalter entstanden, diese hatten einen sehr ausgeprägten Gemeinschaftscharakter. Kaufleute schlossen sich in Gruppen zusammen, um auf Grundlage der Gegenseitigkeit ihre Schiffe und deren Ladungen zu versichern. Aber auch Hausbesitzer bildeten Gemeinschaften, um sich im Brandfall gegenseitig Schäden zu ersetzen.

Der elinor-Ansatz         

Das Modell der entstehenden Plattform elinor.network (im Folgenden: elinor) basiert auf dem Peer-to-Peer-Prinzip. elinor verfolgt das Ziel, zukünftig ein möglich breites Angebot an Absicherungsgruppen zu schaffen. Die sich bildenden Gruppen sollen nicht nur die von elinor hinterlegten „standard“-Gegenstände absichern können wie z.B. Fahrräder, Handys oder Berufsunfähigkeit (Krankentagegeld). Uns ist es ein Anliegen, dass sich Gemeinschaften um ganz verschiedene, auch spezielle Themen bilden – ob das Risiken rund um Sportarten, eine Jägerversicherung oder eine Hundekrankenversicherung sind: Gestaltungspotenzial, Kreativität und Selbstbestimmung der Kunden sind für uns dabei besonders wichtig.

Und so einfach geht’s: Ein Kunde möchte sein Smartphone absichern. Dafür meldet er sich auf elinor an, macht Angaben zu seiner Person und zum Absicherungsgegenstand (also zum Smartphone). Er kann dann mit Hilfe der Plattform eine neue Gruppe gründen, deren Teilnehmer*innen die Risiken in Bezug auf Smartphones teilen wollen, und anschließend andere Menschen – Familie, Freund*innen und Bekannte – in die Gruppe einladen. In der Gruppe wird über den Vertrag entschieden, in dem geregelt wird, welche Schäden abgesichert werden sollen, wie in der Gruppe über die Auszahlung im Schadenfall entschieden wird, wie neue Teilnehmer*innen dazu kommen können usw. elinor bietet dabei verschiedene Optionen für die Vertragsmodalitäten, um die Vertragsfindung zu erleichtern. Um im Schadenfall helfen zu können, braucht die Gruppe finanzielle Mittel. Dafür gibt es auf der elinor-Plattform ein gemeinsames Treuhandkonto, auf welches die Beiträge der Mitglieder eingezahlt werden.

Was passiert im Schadensfall? Das Smartphone ist auf den Boden gefallen und der Bildschirm ist zerbrochen. Unser Kunde meldet den Schaden seinen Gruppenmitgliedern über die elinor Plattform. In einem Abstimmungsprozess entscheiden die Gruppe, ob das Geld für den Schaden ausgeschüttet werden soll. Sie entscheiden sich für die Ausschüttung, denn alle Angaben und Beschreibungen des geschädigten Kunden waren glaubhaft und konsistent. Durch die erfolgreiche Abstimmung wird die Auszahlung an den Geschädigten aktiviert und durchgeführt. So erhält er schnell und unbürokratisch das Geld, um sein Smartphone reparieren zu lassen. Das schöne dabei ist, alle Beteiligten sind zufrieden, der Geschädigte erhält die Hilfe, die er benötigt und seine Gruppenmitglieder erleben wie ihre Hilfe wirkt. Denn helfen macht bekanntlich glücklich!

Quelle: Titelbild – Briefkästen von Mathyas Kurmann auf Unsplash

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