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Was haben babylonische Karawanenteilnehmer, Mitfahlgelegenheit und Filesharing gemeinsam?

Die Transformationen in der Wirtschaft in den letzten Jahren haben einen Begriff hervorgebracht, der nun in aller Munde ist: die Sharing Economy. Die Kultur des Ego-Konsums macht dem Teilen Platz, und wir erleben weltweit das Entstehen zahlreicher Initiativen, die auf dieser neuen Idee aufbauen. Geteilt wird bereits in vielen Lebensbereichen, von Ernährung bis hin zu Mobilität. Die Onlineplattformen dienen dabei als Hilfsmittel bei der Bildung einer Sharing-Gemeinschaft, Bereitstellung und Suche der Angebote, der Abwicklung von Transaktionen usw. Man spricht von der Plattformökonomie, welche derzeit die traditionellen Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse rasant verändert.

In dieser neuen Sharing Economy spielt das Peer-to-Peer-Konzept eine wesentliche Rolle. Der Begriff „Peer-to-Peer“ stammt aus der IT-Branche. Den revolutionären Ansatz hat zum ersten Mal vor ca. 20 Jahren die US-amerikanische Musiktauschbörse Napster benutzt, um die Musikdateien über das Internet leichter zu verteilen. In einem Peer-to-Peer-Netz sind die Computer gleichberechtigt und direkt miteinander verbunden, ohne dass ein zentraler Server benutzt werden muss.

Seit dieser Zeit hat sich der Begriff „Peer-to-Peer“ auf viele Bereiche ausgedehnt und steht nun auch für eine direkte Mensch-zu-Mensch-Verbindung in der sich entwickelnden Plattformökonomie. Die Peers, also Privatpersonen, stellen sich gegenseitig Schlafplätze zu Verfügung, teilen Autos und andere Gebrauchsgegenstände, finanzieren gemeinsam Projekte, verschenken Lebensmittel und vieles mehr.

Dabei verwischt das Peer-to-Peer Konzept viele Grenzen: zwischen professionellem Angebot und amateurhaftem Gelegenheitsauftrag, zwischen Unternehmer und Arbeiter, zwischen Produzenten und Konsumenten. Der passive Kunde aus den traditionellen Geschäftsmodellen wird zum aktiven „Prosumenten“ und spielt nun eine tätige Rolle bei der Wertentstehung. Aber auch die soziale Komponente darf nicht vergessen werden: statt anonymer Großanbieter hat man bei den Peer-to-Peer-Plattformen unmittelbar mit anderen Menschen zu tun, und der soziale Austausch und die Freude an direkter Hilfe sind dabei sicherlich ein wichtiger Erfolg.

Das disruptive Peer-to-Peer -Prinzip hat auch eine Branche erreicht, die bisher oft als sehr zentralisiert, träge und undurchsichtig wahrgenommen wurde: Versicherungen. Das Konzept ist denkbar einfach: Die Menschen schließen sich auf Onlineplattformen in Gruppen von 5 bis 50 Personen zusammen, um sich gegenseitig gegen Risiken abzusichern. Nach dem ersten Start-up im Jahr 2011 haben mittlerweile über 25 Unternehmen in mehr als zehn Ländern solche Plattformen aufgebaut oder angekündigt.

Doch ist der Ansatz der Risikoteilung in einer Gemeinschaft tatsächlich so neu? Aus der Antike sind verschiedene Formen von Risiko- und Vorsorgegemeinschaften bekannt. Bereits im 2. Jahrtausend vor Christus verpflichteten sich babylonische Karawanenteilnehmer gegenseitig, die Teilnehmer der Reisegesellschaften im Schadenfall gemeinsam zu unterstützen. In Ägypten und im Römischen Reich gab es Sterbegeldkassen und bei den alten Juden Brautausstattungsvereine. In Deutschland sind die ersten Versicherungsvereine im Mittelalter entstanden, diese hatten einen sehr ausgeprägten Gemeinschaftscharakter. Kaufleute schlossen sich in Gruppen zusammen, um auf Grundlage der Gegenseitigkeit ihre Schiffe und deren Ladungen zu versichern. Aber auch Hausbesitzer bildeten Gemeinschaften, um sich im Brandfall gegenseitig Schäden zu ersetzen.

Der elinor-Ansatz         

Das Modell der entstehenden Plattform elinor.network (im Folgenden: elinor) basiert auf dem Peer-to-Peer-Prinzip. elinor verfolgt das Ziel, zukünftig ein möglich breites Angebot an Absicherungsgruppen zu schaffen. Die sich bildenden Gruppen sollen nicht nur die von elinor hinterlegten „standard“-Gegenstände absichern können wie z.B. Fahrräder, Handys oder Berufsunfähigkeit (Krankentagegeld). Uns ist es ein Anliegen, dass sich Gemeinschaften um ganz verschiedene, auch spezielle Themen bilden – ob das Risiken rund um Sportarten, eine Jägerversicherung oder eine Hundekrankenversicherung sind: Gestaltungspotenzial, Kreativität und Selbstbestimmung der Kunden sind für uns dabei besonders wichtig.

Und so einfach geht’s: Ein Kunde möchte sein Smartphone absichern. Dafür meldet er sich auf elinor an, macht Angaben zu seiner Person und zum Absicherungsgegenstand (also zum Smartphone). Er kann dann mit Hilfe der Plattform eine neue Gruppe gründen, deren Teilnehmer*innen die Risiken in Bezug auf Smartphones teilen wollen, und anschließend andere Menschen – Familie, Freund*innen und Bekannte – in die Gruppe einladen. In der Gruppe wird über den Vertrag entschieden, in dem geregelt wird, welche Schäden abgesichert werden sollen, wie in der Gruppe über die Auszahlung im Schadenfall entschieden wird, wie neue Teilnehmer*innen dazu kommen können usw. elinor bietet dabei verschiedene Optionen für die Vertragsmodalitäten, um die Vertragsfindung zu erleichtern. Um im Schadenfall helfen zu können, braucht die Gruppe finanzielle Mittel. Dafür gibt es auf der elinor-Plattform ein gemeinsames Treuhandkonto, auf welches die Beiträge der Mitglieder eingezahlt werden.

Was passiert im Schadensfall? Das Smartphone ist auf den Boden gefallen und der Bildschirm ist zerbrochen. Unser Kunde meldet den Schaden seinen Gruppenmitgliedern über die elinor Plattform. In einem Abstimmungsprozess entscheiden die Gruppe, ob das Geld für den Schaden ausgeschüttet werden soll. Sie entscheiden sich für die Ausschüttung, denn alle Angaben und Beschreibungen des geschädigten Kunden waren glaubhaft und konsistent. Durch die erfolgreiche Abstimmung wird die Auszahlung an den Geschädigten aktiviert und durchgeführt. So erhält er schnell und unbürokratisch das Geld, um sein Smartphone reparieren zu lassen. Das schöne dabei ist, alle Beteiligten sind zufrieden, der Geschädigte erhält die Hilfe, die er benötigt und seine Gruppenmitglieder erleben wie ihre Hilfe wirkt. Denn helfen macht bekanntlich glücklich!

Quelle: Titelbild – Briefkästen von Mathyas Kurmann auf Unsplash

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